Zitate zur Kunst des Übersetzens

Viele berühmte Schriftsteller haben die Weltliteratur maßgeblich geprägt, was nicht zuletzt durch die Übersetzung ihrer Werke in zahlreiche Sprachen möglich wurde. Weniger bekannt ist, dass so mancher von ihnen auch selbst als Übersetzer in Erscheinung trat und dabei über die besonderen Herausforderungen dieser Tätigkeit philosophierte:

„Beim Übersetzen muss man bis ans Unübersetzliche herangehen; alsdann wird man aber erst die fremde Nation und die fremde Sprache gewahr.“
(Johann Wolfgang von Goethe, Maximen und Reflexionen, 1826)

„Ist es nicht sonderbar, dass eine wörtliche Übersetzung fast immer eine schlechte ist? Und doch lässt sich alles gut übersetzen. Man sieht hieraus, wie viel es sagen will, eine Sprache ganz verstehen; es heißt, das Volk ganz kennen, das sie spricht.“
(Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, 1800-1806)

„Wirklich übersetzen heißt: etwas, das in einer andern Sprache gesprochen ist, seiner Sprache anpassen.“
(Martin Luther, Tischreden, 1566)

„[…] man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetschen; da verstehen sie es denn und merken, daß man deutsch mit ihnen redet.“
(Martin Luther, Sendbrief vom Dolmetschen, 1530)

„Aber wie viel leichter ist es, eine Schnurre zu übersetzen, als eine Empfindung! Das Lächerliche kann der Witzige und Unwitzige nachsagen; aber die Sprache des Herzens kann nur das Herz treffen. Sie hat ihre eigene Regeln; und es ist ganz um sie geschehen, sobald man diese verkennt, und sie dafür den Regeln der Grammatik unterwerfen, und ihr alle die kalte Vollständigkeit, alle die langweilige Deutlichkeit geben will, die wir an einem logischen Satze verlangen.“
(Gotthold Ephraim Lessing, Hamburgische Dramaturgie, 1767/69)

„Die Treue eines Übersetzers wird zur Untreue, wann er seine Urschrift dadurch verdunkelt.“
(Gotthold Ephraim Lessing, Rettungen des Horaz, 1754)

„Der Übersetzung Kunst, die höchste, dahin geht,
Zu übersetzen recht, was man nicht recht versteht.“

(Friedrich Rückert, Die Weisheit des Brahmanen, 1836)

„Und so ist jeder Übersetzer anzusehen, dass er sich als Vermittler dieses allgemein-geistigen Handels bemüht und den Wechseltausch zu befördern sich zum Geschäft macht. Denn was man auch von der Unzulänglichkeit des Übersetzens sagen mag, so ist und bleibt es doch eines der wichtigsten und würdigsten Geschäfte in dem allgemeinen Weltverkehr.“
(Johann Wolfgang von Goethe, Brief an Thomas Carlyle, 1827)

„Übersetzer sind als geschäftige Kuppler anzusehen, die uns eine halb verschleierte Schöne als höchst liebenswürdig anpreisen: Sie erregen eine unwiderstehliche Neigung nach dem Original.“
(Johann Wolfgang von Goethe, Maximen und Reflexionen, 1826)

Alexander Roslin 001