Tipps zum Übersetzungseinkauf

Auf dem Wochenmarkt ist es üblich, dass Händler ihr Obst zu unterschiedlichen Preisen anbieten. In Deutschland zum Beispiel sind Passionsfrüchte in der Regel teurer als Pflaumen, denn sie sind schwieriger zu beschaffen. Und auch wenn sie sich auf den ersten Blick äußerlich ähneln mögen, so liegen doch Welten zwischen ihnen, nicht zuletzt im Geschmack.

So ungefähr ist es auch mit Übersetzungen: Manche sind im Handumdrehen fertig, andere benötigen aus verschiedenen Gründen mehr Zeit – etwa Adaptionen oder Lokalisierungen, die die Anpassung des Textes an die sprachlichen und kulturellen Bedürfnisse einer bestimmten Zielgruppe umfassen.

Wer einen Übersetzer sucht, hat die Qual der Wahl: Der Markt gleicht einem Dschungel, in dem sich Amateure ebenso tummeln wie hochqualifizierte Diplom-Übersetzer, mittelständische Agenturen und globale Sprachdienstleister. Auf der Suche nach einem geeigneten Übersetzer empfiehlt es sich in jedem Fall, mehrere Angebote einzuholen. Was Preise und Qualität angeht, liegen oft Welten zwischen den verschiedenen Anbietern. Bei Dumpingpreisen ist Vorsicht geboten, sind sie doch häufig ein Omen für schlechte Qualität. Andererseits ist ein hoher Preis nicht automatisch ein Garant für Erstklassigkeit.

Ein Grund für die oft erheblichen Qualitätsunterschiede liegt darin, dass die Berufsbezeichnung „Übersetzer“ in Deutschland nicht gesetzlich geschützt ist. Daher ist es ratsam, Dienstleister nach ihren Qualifikationen und Erfahrungen zu fragen. Hinzu kommt, dass jedes Übersetzungsprojekt andere Anforderungen stellt, etwa in Bezug auf Fachterminologie, Umfang oder Schwierigkeitsgrad. Nicht zuletzt deshalb sollten Übersetzungen ausschließlich professionellen Dienstleistern anvertraut werden, die über ein anerkanntes Diplom und entsprechende Fachkompetenz verfügen.

Wenn Sie ein Angebot für eine Übersetzung einholen wollen, empfiehlt es sich, dem Anbieter den kompletten Text, der übersetzt werden soll, unverbindlich zur Ansicht zu schicken. Wichtige Angaben, etwa zum gewünschten Liefertermin und zum Zielpublikum des Texts, gehören ebenfalls in Ihre Anfrage. Mit einem detaillierten Briefing erhöhen Sie die Chancen auf ein faires und angemessenes Angebot, das genau auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist und zu Ihrem Vorteil Früchte tragen wird.

Weitere nützliche Tipps finden Sie in der Broschüre Übersetzung: Keine Glückssache – Eine Einkaufshilfe für Übersetzungsdienstleistungen, die der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ) kostenfrei zum Download anbietet.

Vincenzo Campi - The Fruit Seller

Luthers Sendbrief: Lust und Frust des Übersetzens

1522 legt Martin Luther, Doktor der Theologie, seine deutsche Übersetzung des Neuen Testaments vor. 1534 folgt die Übersetzung der Gesamtausgabe der Bibel, die er unter Verwendung griechischer, hebräischer und lateinischer Textausgaben mit mehreren Mitarbeitern angefertigt hat. Als Übersetzer tritt Luther erstmals in Erscheinung, als er in seinen deutschen Schriften auch die Bibelzitate verdeutscht. Ab 1517 übersetzt der berühmte Reformator auch umfangreichere Texte. 1521, während seines Wartburg-Exils, überträgt er das Neue Testament in nur elf Wochen ins Deutsche. Seine Übersetzung des Alten Testaments erscheint zwischen 1523 und 1534.

Nicht nur dank des aufkommenden Buchdrucks, sondern auch wegen ihrer sprachlichen Qualität werden Luthers Bibelübersetzungen in Deutschland schnell populär, denn sie können fast im gesamten hochdeutschen Sprachraum gelesen und verstanden werden. Doch vor allem bei katholischen Gelehrten fallen seine Übersetzungen in Ungnade. Sein Ansatz, anstelle der genauen Worte eher den Wortsinn wiederzugeben und infolgedessen freier zu übersetzen, stößt auf großes Unverständnis. Auch seine starke Orientierung an der mündlichen Volkssprache wird nicht gern gesehen.

Luther, der das Übersetzen mit großer Leidenschaft betreibt, ist darüber so erbost, dass er 1530 seinen Sendbrief vom Dolmetschen verfasst, um seinem Ärger in aller Deutlichkeit Luft zu machen. Dieses Traktat gilt als erste theoretische Abhandlung über die Prinzipien des Übersetzens. Luther spuckt darin zwar Gift und Galle, geht aber zugleich auch auf viele wichtige Aspekte des Übersetzens ein, insbesondere auf die Zweckgebundenheit, Verständlichkeit und Berücksichtigung der kulturellen und sprachlichen Bedürfnissen der Zielgruppe (Skopos). Die Schwierigkeiten beim Übersetzungsprozess und die oft langwierige Suche nach den richtigen Worten erwähnt er ebenso wie die spätere Reaktion mancher Leser, die sich entweder an der geschmeidigen Lektüre erfreuen und annehmen, dass die Übersetzung doch sicher ein Kinderspiel war, oder aber im Gegenteil deren Qualität bemängeln, weil sie über holprige Formulierungen stolpern.

Bis heute ist die Diskussion um zu wörtliches oder zu freies Übersetzen ein Dauerbrenner geblieben. Wie aktuell Luthers Ausführungen auch fast 500 Jahre später noch immer sind, zeigen die nachfolgenden Ausschnitte, die Luthers „Sendbrief vom Dolmetschen“ in modernisierter Fassung entnommen sind:

„(…) denn dieweil der Verdolmetschung halben Alten und Neuen Testaments wegen viel Gerede sich zugetragen, daß nämlich die Feinde der Wahrheit vorgeben, als wäre der Text an vielen Orten geändert oder auch verfälschet, wodurch über viele (…) Entsetzen und Scheu gekommen, so ist wohl zu hoffen, daß aufs mindste zum Teil hiermit den Gottlosen ihr Lästern verhindert werde und den Frommen ihr Skrupel genommen werde, es vielleicht auch dahin kommt, daß mehr über diese Frage oder Materie geschrieben werde. (…)

(…) daß ich das Neue Testament verdeutscht habe nach meinem besten Vermögen und aufs gewissenhafteste (…) Es ist niemand verboten, ein bessers zu machen. Wer’s nicht lesen will, der lass es liegen; (…) Hab ich drinnen irgendwann geirrt (was mir doch nicht bewußt, auch wollt ich gewiss nicht mutwilliglich einen Buchstaben falsch verdolmetschen), darüber will ich die Papisten als Richter nicht dulden (…) Ich weiß wohl, und sie wissen’s weniger denn des Müllners Tier, was für Kunst, Fleiß, Vernunft, Verstand zum guten Dolmetschen gehöret, denn sie haben’s nicht versucht.

Es heißt: ‚Wer am Wege bauet, der hat viel Meister.‘ Also gehet mir’s auch. Diejenigen, die noch nie haben recht reden können, geschweige denn dolmetschen, die sind allzumal meine Meister, und ich muss ihrer aller Jünger sein. (…) Also ging es Sankt Hieronymo auch; da er die Biblia dolmetscht, da war alle Welt sein Meister, er allein war es, der nichts konnte (…)

Ich hab mich des beflissen im Dolmetschen, daß ich rein und klar Deutsch geben möchte. Und ist uns sehr oft begegnet, daß wir vierzehn Tage, drei, vier Wochen haben ein einziges Wort gesucht und gefragt, haben’s dennoch zuweilen nicht gefunden. Im Hiob arbeiteten wir also, Magister Philips, Aurogallus und ich, daß wir in vier Tagen zuweilen kaum drei Zeilen konnten fertigen. Lieber – nun es verdeutscht und bereit ist, kann’s ein jeder lesen und meistern. Es läuft jetzt einer mit den Augen durch drei, vier Blätter und stößt nicht einmal an, wird aber nicht gewahr, welche Wacken und Klötze da gelegen sind, wo er jetzt drüber hingehet wie über ein gehobelt Brett, wo wir haben müssen schwitzen und uns ängsten, ehe denn wir solche Wacken und Klötze aus dem Wege räumeten, auf daß man könnte so fein dahergehen (…)

(…) denn man muss nicht die Buchstaben in der lateinischen Sprache fragen, wie man soll Deutsch reden, wie diese Esel tun, sondern man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetschen; da verstehen sie es denn und merken, daß man deutsch mit ihnen redet.

So wenn Christus spricht: ‚Exabundantia cordis os loquitur.‘ Wenn ich den Eseln soll folgen, sie werden mir die Buchstaben vorlegen und so dolmetschen: Aus dem Überfluss des Herzens redet der Mund. Sage mir, ist das deutsch geredet? Welcher Deutsche verstehet solches? (…) Überfluss des Herzens ist kein Deutsch, so wenig als das Deutsch ist: Überfluss des Hauses, Überfluss des Kachelofens, Überfluss der Bank, sondern so redet die Mutter im Haus und der gemeine Mann: Wes das Herz voll ist, des gehet der Mund über. Das heißt gutes Deutsch geredet, des ich mich beflissen und leider nicht allwege erreicht noch getroffen habe, denn die lateinischen Buchstaben hindern über die Maßen sehr, gutes Deutsch zu reden.

Ebenso, wenn der Verräter Judas sagt, Matthäi 26: Ut quid perditio haec? und Marci 14: Ut quid perditio ista unguenti facta est? Folge ich den Eseln und Buchstabilisten, so muss ich’s so verdeutschen: Warum ist diese Verlierung der Salben geschehen? Was ist aber das für Deutsch? Welcher Deutsche redet so: Verlierung der Salben ist geschehen? (…) Nein, es ist schade um die Salbe – das ist gutes Deutsch, daraus man verstehet, daß Magdalene mit der verschütteten Salbe sei unzweckmäßig umgegangen und habe verschwendet; das war Judas‘ Meinung, denn er gedachte, einen besseren Zweck damit zu erfüllen.

Item, da der Engel Mariam grüßet und spricht: Gegrüßet seist du, Maria voll Gnaden, der Herr mit dir. Nun wohl, so ist’s bisher einfach dem lateinischen Buchstaben nach verdeutschet. Sage mir aber, ob solchs auch gutes Deutsch sei? Wo redet der deutsch Mann so: Du bist voll Gnaden? Und welcher Deutscher verstehet, was da heißt: voll Gnaden? Er muss denken an ein Fass voll Bier oder Beutel voll Geldes; darum hab ich’s verdeutscht: Du Holdselige, worunter ein Deutscher sich sehr viel eher vorstellen kann, was der Engel meinet mit seinem Gruß. Aber hier wollen die Papisten toll werden über mich, daß ich den engelischen Gruß verderbet habe, wie wohl ich dennoch damit nicht das beste Deutsch habe troffen. Und würde ich hier das beste Deutsch genommen haben und den Gruß so verdeutscht: Gott grüße dich, du liebe Maria (denn so viel will der Engel sagen, und so würde er geredet haben, wann er hätte wollen sie deutsch grüßen), ich glaube, sie würden sich wohl selbst erhängt haben vor übergroßem Eifer um die liebe Maria, daß ich den Gruß so zunichte gemacht hätte. (…) Ich will sagen: ‚du holdselige Maria, du liebe Maria‘, und lass sie sagen: ‚du voll Gnaden Maria‘. Wer Deutsch kann, der weiß, welch ein zu Herzen gehendes, fein Wort das ist: die liebe Maria, der liebe Gott, der liebe Kaiser, der liebe Fürst, der liebe Mann, das liebe Kind. Und ich weiß nicht, ob man das Wort ‚liebe‘ auch so herzlich und genugsam in lateinischer oder anderen Sprachen ausdrücken kann, das ebenso dringe und klinge ins Herz, durch alle Sinne, wie es tut in unser Sprache. (…)

Und was soll ich viel und lange reden von Dolmetschen? Sollt‘ ich aller meiner Wort Ursachen und Gedanken anzeigen, ich müßte wohl ein Jahr dran zu schreiben haben. Was Dolmetschen für Kunst und Arbeit sei, das hab ich wohl erfahren, darum will ich keinen Papstesel noch Maulesel, die nichts versucht haben, hierin als Richter oder Tadeler dulden. (…)

Das kann ich mit gutem Gewissen bezeugen, daß ich meine höchste Treue und Fleiß drinnen erzeigt und nie kein falsche Gedanken gehabt habe. (…) Doch hab ich wiederum nicht allzu frei die Buchstaben lassen fahren, sondern mit großer Sorgfalt samt meinen Gehilfen darauf gesehen, so daß, wo es etwa drauf ankam, da hab ich’s nach den Buchstaben behalten und bin nicht so frei davon abgewichen (…)

Ach, es ist Dolmetschen keineswegs eines jeglichen Kunst, wie die tollen Heiligen meinen; es gehöret dazu ein recht fromm, treu, fleißig, furchtsam, christlich gelehret, erfahren, geübet Herz. (…)

Das sei vom Dolmetschen und der Art der Sprachen gesagt. (…)“

Martin Luther by Lucas Cranach der Ältere

Apropos Qualität: Was ist eine gute Übersetzung?

Das Übersetzen gilt als das zweitälteste Gewerbe der Welt. Es ist eng mit der Entwicklung der Menschheit verknüpft und entstand zeitgleich mit der Herausbildung verschiedener Sprachen. Beim Übersetzen konnte es also von Anfang an nicht nur darum gehen, eine Ausgangssprache wortwörtlich in eine Zielsprache zu übertragen. Im Gegenteil: Es war schon immer wichtig, auch den kulturellen Hintergrund des jeweiligen Zielpublikums zu berücksichtigen.

Dieser „doppelte Anspruch“ war und ist das Kernproblem beim Übersetzen. Eine gute Übersetzung soll eine größtmögliche Übereinstimmung mit dem Original vorweisen und zugleich für die Zielleserschaft verständlich sein. Das Dilemma wurde schon oft diskutiert; einige interessante Äußerungen dazu finden sich auch in den Blog-Beiträgen Zitate über die Kunst des Übersetzens und Luthers Sendbrief: Lust und Frust des Übersetzens. Goethe, Lessing, Lichtenberg und Luther waren jedoch bestimmt nicht die ersten, die erkannten, dass eine zu wörtliche Übersetzung die Verständlichkeit für die Zielgruppe einschränken kann.

Bei Texten mit schlichter Satzstruktur und einfacher Bedeutungsebene mag eine wörtliche Übersetzung angebracht sein. Solche Sätze dürfte auch eine Übersetzungssoftware fehlerfrei meistern. Probieren Sie doch mal, mit dem Google Übersetzer den folgenden Satz ins Englisch und Französische zu übersetzen:

„Der Himmel ist blau.“

Die Ergebnisse der maschinellen Übersetzung werden Sie in diesem Fall vermutlich überzeugen. Mit zunehmender Komplexität in Bezug auf Satzstruktur und Bedeutung gerät die wörtliche Übersetzung jedoch an ihre Grenzen; Übersetzungsautomaten übrigens auch. Als erstes Beispiel mag das folgende Zitat von Goethe dienen (aus Maximen und Reflexionen, 1826):

„Übersetzer sind als geschäftige Kuppler anzusehen, die uns eine halb verschleierte Schöne als höchst liebenswürdig anpreisen: Sie erregen eine unwiderstehliche Neigung nach dem Original.“

Falls Sie es auf den Versuch ankommen lassen möchten, dieses Zitat von Google ins Englische oder Französische übersetzen zu lassen: Sind Sie mit den Ergebnissen zufrieden? Sie können bei Interesse auch den folgenden Text eingeben und ins Deutsche übersetzen lassen:

„Translators can be considered as busy matchmakers who praise as extremely desirable a half-veiled beauty. They arouse an irresistible yearning for the original.“

Bei diesem Text handelt es sich übrigens um die kongeniale Übersetzung des Goethe-Zitats von Bailey Saunders aus dem Jahre 1906. Was halten Sie von der maschinellen Rückübersetzung ins Deutsche? Ist es nicht erstaunlich, dass Saunders seine Übersetzung vor über 100 Jahren ganz ohne Computer hingekriegt hat?

Auch bei weniger schöngeistigen Texten kommt es auf die Komplexität an – das trifft auf eine Gebrauchsanleitung ebenso zu wie auf einen Vertragstext oder einen Fachtext aus der Finanzwelt. Testen Sie den Google-Übersetzer gern ein weiteres Mal mit der Übersetzung der folgenden Passage ins Deutsche:

„In Q4 2008 and in Q2 2009, XYZ – Germany’s second-largest bank by assets – received financial support from the German government’s Financial Market Stabilization Fund (SoFFin) in the wake of the global financial market crisis. The bank received approx. EUR18.2bn in state support from the SoFFin. This amount comprised EUR16.4 billion of silent participations and a 25% plus 1 shareholding for approx. EUR1.8 billion, making the German state the bank’s largest shareholder. This transaction has also recently been awarded ‚Innovation of the Year‘ at The Banker’s Investment Banking Awards for 2011.“

Finden Sie, dass die maschinelle Übersetzung auch eine Auszeichnung verdient?

Diese und unzählige andere Beispiele beweisen, dass Übersetzen kein simples Handwerk, sondern eine anspruchsvolle kreative Tätigkeit ist – und zwar nicht nur, wenn es um Literatur geht; für sogenannte Fachübersetzungen gilt genau das gleiche. Nicht umsonst wird Übersetzen im Rahmen mehrjähriger Studiengängen an Hochschulen gelehrt, deren erfolgreicher Abschluss mit der Verleihung eines Diploms gewürdigt wird. Solche Qualifikationen können durchaus als Kriterium für Qualität und Professionalität gelten angesichts der Tatsache, dass die bloße Berufsbezeichnung „Übersetzer“ in vielen Ländern nicht geschützt ist. Dass sich auf dem Markt viele Quereinsteiger tummeln, die keine Experten sind, dafür aber gern Übersetzungen zu Dumpingpreisen anbieten, ist kein Geheimnis. Es ist wie mit billigen T-Shirts: Niedrige Preise bedeuten meist auch geringe Qualität.

Manche Sprachdienstleister teilen Übersetzungen in zwei Kategorien ein. In die erste stecken sie die sogenannte „einfache Übersetzung„, gern auch „Wort-für-Wort-Übersetzung“ genannt. Der zweiten ordnen sie die sogenannte „Kreativübersetzung“ zu, für die es noch diverse andere Bezeichnungen gibt, etwa Adaption, Lokalisierung, Transkreation (neudeutsch: Transcreation), Werbetext-Übersetzung, International Copywriting oder Creative Copy. Vor allem in der Werbebranche wird unter diesen Begriffen die Übersetzung eines Textes in eine andere Sprache unter Berücksichtigung der kulturellen und sprachlichen Bedingungen des Zielpublikums verstanden. Doch genau das zeichnet seit jeher das Wesen der qualitativ hochwertigen Übersetzung aus – sie war noch nie darauf beschränkt, wortwörtlich zu sein. Schon Luther hat dies 1530 in seinem berühmten Sendbrief vom Dolmetschen eindrucksvoll belegt.

Manchmal wird Übersetzern vorgeworfen, dass sie zu sehr am Wort kleben, in anderen Fällen wird beklagt, dass sie zu frei übersetzen. Übersetzer sehen sich immer wieder aufs Neue mit der Herausforderung konfrontiert, dem eingangs erwähnten „doppelten Anspruch“ gerecht zu werden. Nicht nur ist jeder Text anders, auch die Zielleserschaft unterscheidet sich von Projekt zu Projekt – ebenso wie die individuellen Erwartungen der Auftraggeber, die von ihnen vorab übermittelten Informationen (Briefing des Übersetzers) und die gewünschten Liefertermine. Nicht zuletzt der Zeitdruck hat einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität einer Übersetzung. Ein guter Übersetzer wird immer danach streben, das beste Ergebnis zu liefern, das unter Berücksichtigung aller Rahmenbedingungen möglich ist.

Dickensdream